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Neujahrsempfang des Lions Club Pulheim

Übergabe der Urkunde zum Abt Wolfhelm Preis

Beim Neujahrsempfang 2018 des Lions Club Pulheim konnte Präsident Jens Hasselbächer neben dem Preisträger Manfred Kaune und seiner Ehefrau, Bürgermeister Frank Keppeler und die Fraktionsvorsitzenden von SPD und FDP, Dierk Timm und Prof. Martin Wortmann, sowie aus den eigenen Reihen den CDU-Fraktionsvorsitzenden Werner Theisen, als Ehrengäste begrüßen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Verleihung des Abt Wolfhelm Preises an Manfred Kaune. Der Abt Wolfhelm Preis wird mit einer Urkunde dokumentiert und ist mit 1.500 Euro ausgestattet. Der Lions Club Pulheim zeichnet jährlich Personen oder Institutionen aus, die sich durch langjähriges oder besonderes Engagement in der Stadt, im Verein, in Organisationen oder im Privaten für die Allgemeinheit verdient gemacht haben. Der Club möchte mit dem Preis das Engagement anerkennen und nach außen sichtbar machen um andere zum Nachahmen anzuregen

Die Laudatio auf den Preisträger, Manfred Kaune, hielt der Club-Sekretär Peter Schröder. "Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Vertreter der Ratsfraktion und der Presse, liebe Freunde und vor allem liebe Karin und Manfred Kaune,

ich freue mich ganz besonders, dass ich heute hier vorne stehen darf , um Dir  lieber Manfred, diesjährigen Abt Wolfhelm Preis des Lions Clubs Pulheim zu überreichen. Wir haben diesen Preis vor ca. 15 Jahren ins Leben gerufen, um Pulheimer Bürger zu ehren, die mit ehrenamtlichen Engagement besondere Leistungen für die Gesellschaft erbringen. Der Preis ist zur Unterstützung der guten Sache mit einem Betrag von 1500 € dotiert es freut mich in besonderer Weise, dass in diesem Jahr dieser Preis Dir als Dank und Auszeichnung für den von dir ins Leben gerufenen Verein Inklusion e.V. verliehen wird.

Wir kennen uns seit unserer Schulzeit uns miteinander befreundet, seitdem wir der ersten Klasse waren. Eine Zeit lang haben wir uns fast aus den Augen verloren und es war vor etwa 25 Jahren, als sich herausstellte, dass Euer zweites Kind Sara schwerst mehrfach behindert geboren worden ist.

Natürlich unterstützt die öffentliche Hand mit den ihr gegebenen Mitteln und Möglichkeiten die Förderung von Menschen mit Handicap. Es gibt Kindergärten mit speziell ausgebildeten pädagogischem Personal, Schulen mit besonderer Betreuung und Fördermöglichkeiten, wie im Stadtgebiet Pulheim die Donatus Schule in Brauweiler. Es gibt Unterstützung bei der häuslichen Pflege, früher durch Zivildienstleistende, heute durch die sogenannten Bufdis und auch finanzielle Unterstützung, gelegentlich auch Hilfe zur Selbsthilfe durch soziale Organisationen wie unseren Lions Club.

Trotz all dieser Hilfe und Unterstützung von außen ist aber klar, dass der Einfluss darauf, wie sich ein Kind entwickelt und wie man dem Kind den Weg bereitet, in der eigenen Verantwortung der Eltern liegt. Das gilt für ein geistig behindertes Kind noch viel stärkerem Maße, denn es ist nicht in der Lage, eigenverantwortlich über sein Schicksal zu entscheiden. Als Vater, als Eltern eines behinderten Menschen habt ihr natürlich auch andere Menschen in vergleichbarer Situation kennengelernt und gesehen, dass all diese Familien vor den gleichen Fragen und Problemen standen und versuchen, ihren eigenen Weg zu finden und das Leben ihres eigenen Kindes mit Handicap zu gestalten.

Eure Tochter hat die Donatus - Schule vom Jahr 2001 bis zum Jahr 2014 besucht und du warst dort Schulpflegschaftsvorsitzender für fast ein Jahrzehnt. Auch im Rahmen dieser Tätigkeit warst du immer bestrebt die Rahmenbedingungen für die behinderten Menschen zu verbessern und zwar nicht alleine die passive Situation wie angenehmere Räumlichkeiten, bessere Sitzmöglichkeiten oder eine Verbesserung der personellen Ausstattung, sondern Dir war vor allem wichtig, dass die Kinder mit ihren jeweiligen ganz individuelle Möglichkeiten und Fähigkeiten aktiv am Leben teilnehmen konnten und zwar, und das sage ich ganz bewusst: am „normalen“ Leben. Während Deiner Zeit als Schulpflegschaftsvorsitzender hat sich die Schule für die Kooperation mit Schulen für Nichtbehinderte oder für Veranstaltungen in der Schule geöffnet oder aktiv mit den behinderten Kindern an Kunst oder Musikprojekten teilgenommen.

Ein besonders schönes Beispiel war das Schulpraktikum, dass auch behinderte Kinder ableisten sollen. Sara sollte eigentlich ihr Praktikum in einer Behindertenwerkstatt machen, was im Ergebnis bedeutete, dass sie dort morgens hingebracht und abends wieder abgeholt worden wäre. Du hast erreicht, dass deine Tochter gemeinsam mit einem anderen schwerstbehinderten Mädchen hier aus Pulheim, noch eine Sarah übrigens, ein Praktikum beim Express gemacht machen konnte. Der Express hat die Zeit des Praktikums der beiden Kinder im Rolli dazu genutzt eine Artikelreihe über Menschen mit Behinderungen in Alltagssituationen zu schreiben. Die Journalisten sind mit den Kindern zum Einkaufen oder zum Essen gegangen oder waren in andere Alltagssituationen  unterwegs, um die Behindertenfreundlichkeit Kölns zu testen. Das hat den beiden zu einiger Berühmtheit verholfen, vor allem aber enormes öffentliches Feedback gebracht und manche Hürde abgebaut. Einen Artikel über dieses Praktikum gebe ich hier in Umlauf.

Aber eines war auch immer klar: irgendwann endet die behütete und staatlich organisierte Schulzeit und der behinderte Mensch wird in den Lebensalltag entlassen. Während der Weg bis zum Ende der Schulzeit vorgegeben und die Institutionen bereitgestellt sind, ändert sich das nach dem Ende der Schulzeit extrem. Die Angebote für Menschen mit Behinderung und vor allem für solche mit hohem Unterstützungsbedarf sind eingeschränkt, es bleibt letztlich der Weg in die Behindertenwerkstätten, wo aber Menschen mit schwersten Behinderungen oft nur, und dass meine ich ohne jeden Vorwurf, verwaltet werden können.

Das wolltest du anders machen. Aus den vielen Gesprächen mit Menschen in einer vergleichbaren Situation kanntest du die Bedürfnisse und Wünsche der behinderten Menschen. Du hattest das Ziel, ein anderes Arbeits- und Lebensumfeld zu schaffen, in dem behinderte Menschen entsprechend ihren Fähigkeiten eingesetzt werden können. Wichtig war Dir vor allem, dass dies ein offenes Umfeld werden sollte, bei dem Menschen mir Handicap nicht unter sich sind oder gar verborgen, um nicht zu sagen abgeschoben, werden, sondern aktiv gemeinsam mit oder für Nicht- behinderte Menschen leben und arbeiten. Hieraus ist deine Idee zur Gründung des Inklusion e.V. entstanden.

Ich kann mich an viele gemeinsame Joggingrunden durch den Stommeler Busch erinnern, in dem wir das Projekt diskutiert, rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen besprochen haben und Chancen und Risiken deines Plans abgewogen haben. Es war wie bei einem Start-Up-Unternehmen, bei dem ein Jungunternehmer Marktchancen und Risiken abwägt, Rahmenbedingungen klärt und prüft, ob sein Vorhaben funktionieren kann. Aber wie bei einer Unternehmensgründung geht es nicht alleine um organisatorische und technische Fragen, sondern ein solches Projekt funktioniert nur mit Mut. Es bedarf unternehmerischen Wagemuts und großer Beharrlichkeit, einen solchen Gedanken umzusetzen und dann den sprichwörtlichen Gang durch die Institutionen anzutreten.

Diesen Mut hattest du und dein Wille, das Ziel zu erreichen, hat dazu geführt, dass der Verein Inklusion vor mehr als drei Jahren gegründet wurde. Es ist gelungen, dass euch der Landschaftsverband ein unbewohntes Gebäude mit verwilderten Garten in Pulheim überlassen habt, das ihr mit viel Eigenleistung und Manpower zu einem Schmuckstück gemacht habt. Dort arbeiten heute mit drei hauptamtlichen Betreuern und der Hilfe von Honorarkräften und Bufdis  neun Menschen mit Handicap, zwei davon mit hohem Unterstützungsbedarf, die  stolz den Titel „Mitarbeiter“ tragen.

Ihr bewerbt euch gezielt um Arbeitseinsätze und Aufträge, in denen diese Mitarbeiter sinnvoll und so gut es geht arbeiten können. Wer jemals eure Einrichtung besucht hat, sieht, mit wie viel Begeisterung und Lebensfreude eure Mitarbeiter dort unterwegs sind. Nicht umsonst habt ihr für euren Verein den Leuchtturm als Symbol ausgesucht und ich darf mit voller Überzeugung sagen, dass euer Projekt in jeder Hinsicht ein Leuchtturmprojekt nicht nur für Menschen mit Handicap ist, das weit über Pulheim hinaus ausstrahlt. Ihr werdet von anderen Städten und Gemeinden oder Institutionen angesprochen, die nach einem Besuch bei euch ähnliche Projekte umsetzen wollen. Es ist im Sinne der betroffenen Menschen zu hoffen, dass es gelingt, eure Idee möglichst häufig andernorts zu reproduzieren. Wir hoffen vor allem, dass gelingt, die Erweiterung eures Projekts über ein reines Arbeitsprojekt zu einem Wohn und Lebensprojekt hier in Pulheim umzusetzen.

Wir als Lionsclub sind stolz darauf, dass wir als Unterstützer der ersten Stunde zum Gelingen eures Projektes beitragen durften. Insoweit ist ganz besonders das persönliche Engagement unseres Mitglieds Winfried Döring hervorzuheben, der seine Erfahrung als Mann der Wirtschaft vor allem im kaufmännischen Bereich bei euch einbringt. Wir freuen uns aber auch, dass wir unseren Beitrag  in Form  finanzieller Unterstützung zur Ausstattung eurer Räumlichkeiten und Förderung einzelner Projekte leisten durften.

Lieber Manfred, ich darf dir und dem Inklusion e.V. stellvertretend für den ganzen Lions Club Pulheim hiermit den Abt Wolfhelm Preises des Lions Club Pulheim für dein und euer ehrenamtliches Engagement überreichen. Wir wünschen dir und dem Inklusion e.V. weiter viel Erfolg bei eurer Arbeit und freuen uns immer einmal wieder zum Gelingen eures Projektes beitragen zu dürfen.

Vielen Dank!"

21.01.2018

© 2018 Lions-Club Pulheim

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